„Die Gesamtschule hat sich etabliert in Hattingen“ (WAZ, 25.08.2018)

30 Jahre nach ihrer Einweihung in Welper ist sie aus der Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken. Jährlich gibt es mehr Anmeldungen als Plätze.

Die Gesamtschule, die vor 30 Jahren als neue Schulform in Hattingen eingerichtet wurde, hat sich etabliert und ist aus der Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken. Dieser Meinung sind nicht nur Leiterin Dr. Elke Neumann und ihr Stellvertreter Jens Mäkelburg, sondern auch der erste Schulleiter Ulrich Kops. Dass dies so sein würde, war dem damaligen Chef vor drei Jahrzehnten nicht klar. „Ich habe es gehofft“, sagt der 72-Jährige. „Aber Schulpolitik ist ein wankelmütiges Gebilde.“Nicht wankelmütig sind die Eltern. Sie wollen die Gesamtschule nach wie vor. Ihre Anmeldungen können gar nicht alle berücksichtigt werden. Bereits bei der Elternbefragung hatte die Gesamtschule mehr Anhänger, als sie brauchte.„In diesem Jahr mussten wir jede Menge Interessenten abweisen“, sagt Elke Neumann. Gab es im Vorjahr 165, im Schuljahr 2016/17 169 Eltern, die ihre Fünftklässler zur Gesamtschule schicken wollten, waren es für den Start nächste Woche 188, die die Schulform für Sohn oder Tochter gewählt hatten. Platz ist für 145 KinderDass viele nicht dabei sein können, darunter auch Hattinger Kinder, bedauert die Schulleiterin. „Doch wo Gesamtschule drauf steht, muss auch Gesamtschule drin sein“, bekräftigt sie. Das bedeutet, dass die Mischung passen muss. Zwischen Jungen und Mädchen, deutschen und Kindern mit ausländischen Wurzeln. Besonders wichtig aber ist das Verhältnis der Bildungsabschlüsse, die die Kinder vermutlich erreichen als angehende Abiturienten, Real- und Hauptschüler. Es muss passen.Ulrich Kops war nervös, als er den Gründungsjahrgang mit 152 Kindern im August 1988 begrüßte im Gebäudekomplex Horstschule/Wolfgang-Borchert-Realschule. Die Nervosität hat sich längst gelegt, die Freude am Unterrichten nicht. Noch vor einem Jahr hat der Gevelsberger Hattinger Schülern in Mathe geholfen. Inzwischen unterstützt er an seinem Wohnort Schüler und ist aktiv als Schöffe.Normalerweise achtete er nicht darauf, welche Empfehlung die Grundschulen gegeben hatten. Als ein Abiturjahrgang anstand mit 50 bis 60 Jugendlichen, forschte er nach. Und stellte einen Zusammenhang von Herkunftsort in einem früheren Arbeiterstadtteil wie Welper und Schulempfehlung fest. Prognostiziert worden war den späteren Abiturienten in der Regel der Hauptschulabschluss.

Förderung für alle Kinder und Jugendlichen

Die Gesamtschule steht dafür, dass sie alle Abschlüsse anbietet. Wichtig sind Schulleitung und Lehrern aber nicht nur Leistung und Noten, sondern auch ein respektvoller Umgang miteinander und ein Klima, in dem alle nicht nur gern lernen und lehren, sondern sich auch wohlfühlen. 102 Lehrerinnen und Lehrer und 1182 Schülerinnen und Schüler werden nächste Woche ins nächste Schuljahr starten. Von sechs Referendaren sind fünf als Lehrer geblieben.Bleiben will auch die Schule – in Welper. Das sagen die Schulleiter zur politischen Diskussion über den Standort. Gefördert werden künftige Studenten mit der der Ruhruni Bochum ebenso wie schulmüde Jugendliche.